„Ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach", „Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken, durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld."
Da wundert man sich, warum nicht alle katholischen Menschen auf dieser Erde depressiv, selbstmordgefährdet oder im besten Falle dauerfrustriert sind. Diese Kirchensprüche kennt jeder von uns. Jedem von uns wurden diese Phrasen in der Schule eingepaukt, und in der Kirche Sonntag für Sonntag durften wir diese dann wiederholen und wiederholen. Bis sie in unserem Gehirn verwurzelten und Teil unserer Persönlichkeit wurden. Als Erwachsene laufen wir nun rum und haben uns verinnerlicht, dass wir weniger wert sind als die Küchenschabe, die wir gerade beim letzten Hausputz um ihr Leben gebracht haben. Unser Rücken schmerzt zudem schon seit geraumer Zeit. Die letzte Massage hat wohl doch nicht so gut geholfen, wie wir gehofft haben. So sehr drückt die Schuld, die wir als Katholiken mit uns herumtragen. Schon seit Jahren frage ich mich, warum wir diese Schuld aufgezwungen bekommen haben.
Was haben wir denn Großartiges verbrochen, dass wir als Sünder abgestempelt werden - jederzeit in Gefahr, noch mehr Schuld auf uns zu laden ? Sogar einem unschuldigen Baby wird - sobald es sein warmes Nest, den Mutterleib, verlassen hat - prophylaktisch eine Erbsünde verpasst.
Eine Straße ohne Wiederkehr, eine ausweglose Situation, in der wir uns seit unserer Geburt befinden. Bis zum Ende unseres irdischen Daseins. Wir siechen dahin. Das soll Leben sein ? Unter LEBEN verstehe ich etwas anderes.
Wir Katholiken betrauern unseren Glauben, anstatt ihn zu feiern. Was gibt es hier auch zu feiern ? Unsere Schuld, unsere immerwährende, wie mit Superkleber an uns haftende Schuld ? No chance to escape - keine Chance, diesem Schicksal zu entrinnen.
Irgendwann in seinem Leben sollte man aber zu dem Punkt kommen, an dem man sich fragt, ob man das Richtige im Leben macht, und ob es das Richtige ist, WAS man glaubt bzw. AN was man glaubt. Der Glaube sollte einem Menschen Hoffnung und Perspektiven geben. Einem auf den richtigen Weg helfen, falls man diesen noch nicht gefunden oder vielleicht kurzzeitig verloren hat. Der Glaube ist Anker für viele Schäflein, die einen (Schaf-)hirten benötigen. Natürlich ist es in Ordnung, ein Schäflein zu sein. Nicht jeder Mensch auf dieser Welt hat den Wunsch und/oder die Fähigkeit, seinen eigenen Weg zu finden und diesen dann auch noch zu gehen. Zudem helfen Regeln und Gesetze der Kirche, unser Zusammenleben zu organisieren und für jeden halbwegs fair zu gestalten.
Trotzdem sollte ein Glaube die Persönlichkeit eines Menschen nicht unterdrücken, sondern fördern. Fördern der Fähigkeiten, die wir in uns haben und die nur darauf warten, entwickelt zu werden. In den letzten Jahren und Monaten haben sich die Kirchenoberen nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Anstatt die Menschen als Kinder Gottes zu akzeptieren, zu deklarieren und als solche zu behandeln, werden Kniefall und hunderte Jahre alte Sprüche forciert und in unsere dickköpfigen Schädel eingehämmert. Rückschritte statt Fortschritte. Gelebter Populismus und Vertuschungen scheinen eher gefragter zu sein, als sinnvolles Aufarbeiten der schweren Verfehlungen der katholischen Kirche. Nicht nur der Verfehlungen in den letzten Jahrhunderten, sondern auch der in der Gegenwart.
Wir sind Mitglieder einer Vereinigung, in der die obersten Vertreter nicht von uns gewählt wurden und werden. Die Elite will wohl unter sich bleiben. Damit ja alles so bleibt wie es ist. Die Struktur der Kirche mag seit Jahrhunderten dieselbe sein. Die Zahl der Kirchenbesucher aber verändert sich jedes Jahr, die ist nämlich zumindest in Europa schwer rückläufig. Wen wundert´s: Die Menschen werden so erzogen, dass sie ihr Heil lediglich in der Unterwerfung vor Gott finden. Dass sie sich dem von Gott auferlegten Schicksal fügen müssen. So wahr ihnen Gott helfe. So produziert man Sklaven, die alles erdulden müssen und auf Knien rutschend auch noch dankbar für die Schicksalsschläge in ihrem Leben sein müssen. Gott hat es so gewollt, Gott hat ihn zu sich geholt, Gott, Gott, Gott – der hat aber viel zu tun, finden Sie nicht ? Wer ist denn dieser Gott ? Wenn der so ist wie seine Vertreter auf Erden, kann ich auf diesen Gott getrost verzichten.
Doch Gott ist nicht das, was man uns weismachen möchte. In der Bibel, die von der katholischen Kirche schwerstens manipuliert wurde, finden sich ab und zu noch Hinweise, die darauf schließen lassen, wie oder was dieser Gott in Wirklichkeit ist. Gott ist auf keinen Fall ein uralter, bärtiger Mann, der im Himmel über uns auf einem Thron sitzt, auf uns runter sieht und je nach Gutdünken Entscheidungen fällt, die wir – kleine Küchenschaben – ja eh nicht verstehen können. Gott ist im Himmelreich, das ja bekanntlich gemäß Jesu nicht über uns, sondern unter uns, zwischen uns, in uns ist.
Wir sind alle Kinder Gottes,so wie es in der Bibel steht. Wollen Sie, dass Ihre Kinder vor Ihnen auf den Knien rutschen und sie anbeten ? Sie möchten, dass Ihr Kind Respekt vor Ihnen hat, seinen eigenen Weg geht, seine eigenen Erfahrungen macht und zu einem Menschen heranwächst, auf den Sie stolz sein können. Wenn es auf den Boden fällt, helfen Sie ihm auf, wenn es einen Rat fürs Leben braucht, stehen Sie ihm zur Seite. Sie schauen sicher nicht auf Ihr Kind herab, sondern sind ein Partner für Ihr Kind, der ihm hilft, mit den richtigen Werten im Leben erwachsen zu werden. Falls Sie eine Firma besitzen, wird es mitunter Ihr Nachfolger.
Wenn wir Kinder Gottes sind, haben wir dieselben Gene, Voraussetzungen, Fähigkeiten wie unser Vater. Also, was soll das mit dem Knierutschen
und diesem modernen Sklaventum ? Mir wird einfach schwindlig, was das Oberhaupt der Kirche, der Papst (Anmerkung: Gott wird ja als „Haupt" der Kirche bezeichnet – der Papst scheint der Chef von Gott !!), so alles von sich lässt. Wenn er in bestimmten Bereichen unfehlbar sein soll, will ich nicht die fehlbaren Sachen wissen.
Unser Bischof in Vorarlberg schlägt in die gleiche Kerbe. Wenn er öffentlich bekanntgibt, dass er glaube, dass Homosexualität eine psychische Krankheit und auch heilbar sei, kann ich nur den Kopf schütteln. Diese Aussagen erinnern mich an eine Zeit, in der nichts anderes „gut" war, als ein Arier zu sein und möglichst viele Kinder (für den Krieg) zu zeugen. Alles Andersartige, sei es die Religionszugehörigkeit, die Hautfarbe, die Geschlechtsneigung oder gar eine andere Meinung als die damals herrschende Ideologie, wurde kurz und schmerzvoll eliminiert, sprich ausgelöscht. Wir müssen froh sein, dass die Kirche die Macht nicht mehr inne hat, die sie in früheren Zeiten hatte. Damals, als sie sie noch hatte, zeigte die Organisation, die sich anscheinend auf den Lehren Jesu aufbaut, wie gnadenlos und unbarmherzig sie sein konnte.
Da gibt es einen köstlichen Witz, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte: Ein Skeptiker stirbt bei einem Verkehrsunfall. Er findet sich nach seinem Tod an einem wunderschönen Strand wieder. Die Sonne scheint, es ist angenehm warm. Er sieht in der Nähe eine Bar, an der sich bildhübsche Damen angeregt unterhalten und ihren Drink schlürfen. Er geht hin und bemerkt auf dem Weg dahin den Teufel,
sich sonnend im Liegestuhl und umgeben von ein paar der aufreizenden Bikini-Ladys. Luzifer begrüßt ihn und heißt ihn im Jenseits herzlich willkommen. Er erklärt ihm, dass er sich nun mit den Damen amüsieren könne und lädt ihn ein, einen Liegestuhl zu nehmen und es sich gemütlich zu machen. Der Skeptiker traut der Idylle und den Worten des Satans nicht und möchte zuerst die Gegend erkunden. Er läuft am Strand entlang und bemerkt einen Vulkan, aus dem Rauch aufsteigt. Oben angekommen, schaut er neugierig in den Krater hinein. Er sieht die Hölle, wie er sie sich vorgestellt hatte: Höllenaufseher, die mit Peitschen auf die armen, geschundenen Leiber der Menschen einschlagen, um sie zur Arbeit zu bewegen. Ein schlimmes Wehklagen, welches er von diesen Armen hören muss ! Er kehrt zurück an den Strand und stellt den Teufel zur Rede über das, was er sich gerade ansehen hat müssen. Der Teufel lacht und meint nur: „Tja, das sind die Katholiken, die brauchen das !"
Meine Glaubens- und meine Gottesvorstellung sind folgende:
Gott ist die Gesamtheit aller Seelen. Wir sind Teil des Ganzen, sprich Kinder Gottes. Gott ist unser Vater, Mentor, Partner und Freund.
Das Gesetz der Resonanz (lateinisch „resonare": zurückklingen)
Alle Menschen unterliegen dem Gesetz der Resonanz. Ein Radiogerät, das auf UKW eingestellt ist, kann keine Mittelwelle empfangen. Der Mensch funktioniert in derselben Weise. Ist eine Person aggressiv und voller Hass, ist sie für Liebe in diesem Moment nicht empfänglich. Jeder kann also nur die Bereiche der Wirklichkeit wahrnehmen, mit denen er in Resonanz schwingt. Sprüche wie „Du hörst und siehst nur das, was du willst" oder „Dein Gegenüber spiegelt nur das, was du ihm vermittelst" haben durchaus seine Richtigkeit.
Unsere Umgebung wird uns immer das präsentieren, was wir selber ausstrahlen. Sind wir ängstlich, werden wir mit unseren Ängsten konfrontiert werden. Erwarten wir, dass eine Sache negativ ausgeht, wird sie das auch wahrscheinlich. Wer lügt, wird auch belogen werden. Fühlen wir uns als Opfer, werden wir dies auch irgendwann einmal werden. Gehen wir mit der Liebe in Resonanz (hier ist die Grundvoraussetzung, dass wir uns selbst lieben), werden wir diese anziehen. Leben wir in Freude, werden wir auch immer etwas finden, was uns Freude bereitet.
Meine jahrelangen Überlegungen haben mich nunmehr zu dem Schluss gebracht, dass die Kirche als Organisation, in der Weise, in der sie sich seit Jahrhunderten wie auch heute präsentiert, nicht den Glauben vertritt, der meiner Seele entspricht und in dem sie sich wohlfühlen und entfalten kann. Die Kirche vertritt nicht den Glauben, den Jesus uns damals als Erbe hinterlassen hat.
Der Tross alter Männer, die noch immer in den glorreichen Zeiten leben, in der die Kirche die Allmacht auf Erden hatte, zerstören immer mehr das Gerüst, auf dem eine wirklich gute Idee aufgebaut wurde. Ich für meinen Teil habe beschlossen, dieser narzisstischen und diktatorischen Organisation für immer den Rücken zu kehren, weil ich es mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren kann, dass die Organisation, zu der ich seit meiner Geburt angehöre, sich nicht dafür entschuldigt, dass in ihrem Namen und im Namen Gottes Millionen unschuldiger Menschen ausgebeutet, ermordet und versklavt wurden.
Die Versklavungen (auf mentale Weise) werden heute noch angewandt. Jegliche Verfehlungen, seien es die bis jetzt aufgezählten, aber auch die sexuellen Übergriffe auf Kinder durch Priester, die Diffamierungen anderer Religionen, Andersdenkender und Anderslebender (wie z.B. Homosexuelle) werden ignoriert, vertuscht und einfach wieder und wieder getan. Diese Vorgänge kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren. Durch meine Mitgliedschaft und meinen Beitrag unterstütze ich indirekt diese Machenschaften.
Durch meine Freundschaft zu einem Priester, der eine Seele von Mensch ist (beim Bodenpersonal sind ja auch vernünftige Menschen zu finden - aber der Fisch fängt bekanntlich am Kopf an zu stinken), habe ich meine Entscheidung, die katholische Kirche zu verlassen, immer wieder hinausgeschoben. Jetzt, wo es so weit ist, fühle ich mich befreiter, meine Seele kann wieder atmen. Das Leben kehrt in meinen Körper zurück. Der Gedanke, bald zu den Atheisten bzw. zu denen „Ohne Glauben" zu gehören (ich habe ja einen Glauben !), hat mich dazu getrieben, meinen Glauben, so wie er ist, zu definieren. Ich suchte nach Parallelen in anderen Glaubensrichtungen. Nach einer Weile fiel mir auf, dass ich wieder in ein altes Muster komme. Ich muss meinen Glauben nicht mit einem Wort definieren. Ich habe meinen Glauben, einen eigenen Glauben, wenn man ihm schon eine Bezeichnung geben muss: Harryismus. Oder ist es schon ein Hauch von Wissen ? Ich werde es sehen, wohin sich meine Seele entwickelt, wenn sie erkennt, dass sie nun frei von allen kirchlichen Glaubenszwängen ist. Ja, ich bin würdig ! Amen.
08/2009 (c) Harry Preisl
(Dipl. Lebensenergieberater und Geistheiler)
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